Verfasst von: André | 23. Januar 2010

Holländischer Viraleffekt

Über das Spiel in Dortmund hüllen wir mal dezent den Mantel des Schweigens, kam es doch wie es kommen musste. Die Konkurrenten legen vor, in und um Hamburg redet alles nur von Rudi Nieselstreu und prompt legen wir die schlechteste erste Hälfte seit Ewigkeiten hin. Jeder, aber wirklich jeder Ball landete bei einem Dortmunder, der sich dann in aller Ruhe aussuchen konnte wohin er den Ball spielt. Angegriffen wurde er nicht, und es war ja jetzt auch nicht so als wären seine Mitspieler gedeckt… Einzige Ausnahme: Unser venezuleanischer Killer mit der 25. Schade nur, dass ausgerechnet er beim Gegentor pennt und Valdez mutterseelenallein lässt. Meh.

Egal, Schwamm drüber. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Auch ich sprech viel lieber über Rudi (zumindest lieber als über das Spiel heute abend). Was mir an diesem Transfer besonders auffiel, ist, dass mal wieder der “Word of Mouth” Effekt dem HSV in die Karten gespielt hat. Wovon jeder Werbetreibende träumt, dass Kunden/User die eigene Marke empfehlen funktioniert beim HSV mit der “Orange Connection” seit Jahren einwandfrei:
Die ersten die kamen (zumindest in der “Neuzeit”) waren Khalid Boulahrouz und Rafael van der Vaart. Als Boulah ging wurde Joris Mathijsen als sein Nachfolger auserkoren, der sich dann bei den beiden Erstgenannten über den HSV erkundigte. Beide empfahlen ihm einen Wechsel nach Hamburg. Es folgte Nigel de Jong, der van der Vaart noch aus gemeinsamen Zeiten bei Ajax und die anderen aus der Elftal kannte. Dann kam noch ein holländischer Trainer dazu und mit Romeo Castelen der nächste Spieler, der keine so engen Bande zu den anderen HSV-Holländern hatte, zumindest nicht vor seinem Wechsel hierher. Was er aber hatte, war Vorbildstatus für einen gewissen Eljero Elia. Und als der HSV an jenem Elia Interesse zeigte, erkundigte er sich bei seinem Idol, ob auch für ihn Hamburg die richtige Wahl wäre. Castelen bejahte und auch Elia kam an die Elbe. Jetzt das Meisterstück von Bernd “The Hoff” Hoffmann und Bruno Labbadiabär: Ruud van Nistelrooy wechselt von Real Madrid zum HSV. Klar, 2 Mio Gehalt für 4-5 Monate für einen zuletzt doch sehr verletzungsanfälligen Spieler sind ne Menge Holz, aber alleine durch seine Anwesenheit machen sich 3/4 aller Gegner die Hosen nass und selbst wenn er nur noch 75% von dem drauf hat was er zu Bestzeiten drauf hatte, reicht das locker für 10 Tore in der Bundesliga, selbst wenn man ihm ein Bein auf den Rücken bindet.
Und machen wir uns nichts vor, wenn ich die Wahl habe zwischen *dem* Topstürmer des letzten Jahrzehnts und einem blauzöpfigen Brasilianer mit beklopptem Namen und eigenem Amateurporno im Internet habe, dann nehme ich doch lieber den Topstürmer. Nach den “offiziellen” Zahlen ist Rudi sogar billiger als Vagner Love, denn der sollte zusätzlich zu den 2 Mio. Gehalt noch 800k Leihgebühr kosten. Also, alles richtig gemacht.

Aber zurück zum Thema, der HSV und der virale Effekt. Dass Rafael van der Vaart und Joris Mathijsen Rudi den Wechsel nach Hamburg empfahlen wurde ja schon breit genug getreten, aber im Interview auf hsv.de findet sich folgende Aussage von unserer neuen #22:

Rafael, Joris, aber auch Nigel de Jong und Khalid Boulahrouz haben wirklich in den höchsten Tönen vom Verein und der Stadt gesprochen. So einen Verein wie den HSV mit so unglaublich viel Tradition gibt es eben nicht oft. Alle haben mir dazu geraten, nach Hamburg zu gehen.

Da hätten wir es. Der HSV hat einen steten Zulauf von hochklassigen holländischen Fußballern, die hier gute Erfahrungen machen und deswegen den Verein weiteren hoffnungsvollen Talenten, oder wie im Fall Nistelrooy, arrivierten Leistungsträgern empfehlen, die (u.a.) deswegen dann auch zum HSV kommen, hier auch wieder gute Erfahrungen machen usw….

Zu Dollis Zeiten hab ich schon gesagt, dass er eigentlich nicht nur zum Treffen der Bundesliga-Trainer mit Jürgen Klinsmann (damals Bundestrainer), sondern auch zum Treffen der Eredivisie-Trainer mit Marco van Basten reisen müsste. Eigentlich sogar eher dahin, schließlich hatten wir damals 2-3 holländische Nationalspieler, mit Trochowski aber nur einen halben deutschen. Für Brunobär passt diese Aussage nicht mehr ganz, immerhin wird der deutsche Südafrika-Trupp aller Voraussicht nach 2-4 Hamburger enthalten, aber wir werden auch min. 2 Spieler für die Elftal abstellen, Rudi könnte der dritte werden.
Und wer sich den Kader der Elftal anguckt wird feststellen, dass eigentlich alle Spieler mit Hamburger Vergangenheit oder Gegenwart immer dabei sind. Selbst ein Khalid Boulahrouz, der in Stuttgart leider überhaupt keinen Fuß auf die Erde kriegt. Wer als Holländer für sein Land spielen will kann mit einem Wechsel nach Hamburg scheinbar nichts verkehrt machen; auch diese “Tatsache” schadet sicher nicht wenn der HSV in Verhandlungen mit dem nächsten Elia, oder wem auch immer ist.

In diesem Sinne: Auf eine erfolgreiche, orangene Zukunft. Hup Hup!

Verfasst von: André | 17. Januar 2010

Manchmal geht es um mehr als Punkte

Eine meiner prägendsten Erfahrungen als HSV-Fan kam im Alter von ca. 16 Jahren, als ich nach dem Sportunterricht von einem anderen Kursteilnehmer angeschockt wurde: “Du bist HSV-Fan? Wie kannst du dieses rechte Nazi-Pack nur unterstützen?” (sinngemäße Wiedergabe, das ist immerhin lockere 12-13 Jahre her). Der betreffende Kamerad unterstützte natürlich St. Pauli. Obendrein schwor er total auf Linux, betrieb neben der Oberstufe seine eigene Webhosting Klitsche und rannte deswegen mit einem Palm Pilot (erinnert sich noch einer an die?) durch die Schule. Kurz gesagt, eine Kombo des Grauens.
Bis zu jenem Tag dachte ich, dass es sowas wie politisch motivierte Fußball-Fans nicht gibt. Klar, St. Pauli war schon damals groß darin sich als anti-kapitalistisch (und entsprechend weit links) zu verkaufen, aber mich interessierte am Fußball eigentlich nur der Fußball, ich wollte mit meinem Fan-Dasein keine tiefergründigen Aussagen treffen. Und alle anderen die ich kannte waren auch so. Wir waren Fußball-Fans weil wir selber in Vereinen spielten, oder wir spielten in Vereinen weil wir Fußball-Fans waren. Whatever. Jedenfalls ging es uns um das Spiel an sich. Auf einmal als Nazi-Sympathisant dazustehen war zwar für mich nicht neu, in dieser Lautstärke (erwähnte ich, dass der Kerl eine tierisch penetrante Stimme hatte?) und vor allem in diesem Zusammenhang, aber schon.
Im Laufe der Zeit hatte ich immer mal wieder Begegnungen mit Menschen dieser Art, meistens ging es dann aber nicht mehr um Nazis, sondern darum das HSV-Fans alles Asis wären. Nun kann ich schlecht gegen diese Behauptung anstinken, denn ich bin oftmals ein Asi wenn es um Fußball geht. Aber was würdet ihr an meiner Stelle tun, wenn euch Zugereiste oder irgendwelche Vorstädter erzählen wollen, dass richtige Hamburger zu St. Pauli gehen? Oder Bayern-Fans ihr Bayern-Fan-Dasein damit begründen, dass die Bayern jedes Spiel gewinnen wollen, genau wie man selbst wenn man Sport betreibt? Da kann man doch nur zum Elch werden. Und eigentlich hat das dann auch nichts mehr damit zu tun das ich HSV-Fan bin, sondern damit dass ich allergisch auf Dummheit reagiere.

Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Ach ja. Momentan gibt es neben dem Sportlichen auch viele andere Gründe auf den HSV stolz zu sein. Während Vereine wie Schalke mehr Schulden haben als diverse Bananenrepubliken zusammen, wird der HSV in einer Reportage des ZDF-Magazins frontal21 explizit als einziger Bundesligaverein erwähnt, der eine Bilanz veröffentlicht wie es sich für ein Unternehmen mit einem dreistelligen Millionenumsatz gehören sollte.

Noch viel wichtiger, wenn auch nicht neu, ist der Hamburger Weg, über den neulich ein Artikel in der Welt erschien. Der HSV engagiert sich zusammen mit seinen Sponsoren in der Stadt und unterstützt diverse Förderprojekte und Initiativen, egal ob es um die Schaffung von Ausbildungsplätzen oder die Finanzierung kostenloser Mahlzeiten für Kinder und Obdachlose geht.
Als wenn das nicht genug wäre, gibt es natürlich noch das Thema Umweltschutz. Auch hier hat der HSV in Deutschland eine Führungsrolle eingenommen, sei es durch die Umstellung auf Ökostrom, die Teilnahme am atmosfair-Programm, bei der Ausgleichzahlungen für die vom HSV verursachten Klimaschäden getätigt werden, aber auch im kleinen Rahmen, wenn Joris Mathijsen zusammen mit anderen Helfern 10 Tonnen Kies verbaut um die “Lebensqualität” an einem Bach für die dort ansässigen Pflanzen und Tiere zu verbessern.
Das Ganze hat natürlich nicht nur mit “Gutmenschentum” oder Corporate Social Responsibility zu tun, sondern ist ganz klar Teil der Marketingstrategie des Vereins, getreu dem Motto “Tue Gutes und rede darüber”.

Mein Fazit: Als HSV-Fan hat man zur Zeit nicht nur sportliche Gründe auf seinen Verein stolz zu sein. Hoffen wir das viele Vereine sich dem HSV auf seinem Weg anschließen. Und trotz allem was ich hier jetzt geschrieben habe, interessiert mich am Fußball nur der Fußball. Ich finde es lobenswert das der HSV sich so stark engagiert, es würde mich aber nicht zum HSV-Fan konvertieren wenn ich es nicht schon wäre.

Verfasst von: André | 3. Januar 2010

Jetzt auch mit Gravatar

Ich habe es endlich auch mal geschafft und mir hier einen Gravatar erstellt. Das Ergebnis sieht so aus:

Gar nicht mal so schlecht getroffen, wie ich finde. Und schockierend, wie viel Zeit man mit sowas verdödeln kann…

Verfasst von: André | 1. Januar 2010

Coolest kid in town

Beim Rumsurfen bin ich auf dieses Video gestoßen, indem ein kleiner Knirps sich im Apple Store vor einen Rechner stellt, die Webcam anschaltet, einen seiner Lieblingssongs(?) anschmeißt und sich dann beim Abrocken filmt. Nur um das Ganze direkt bei Youtube reinzustellen… Und das sieht dann so aus:

Respekt. Der Junge hats drauf. So klein, aber schon so ein großer wenns ums Posen geht

Verfasst von: André | 31. Dezember 2009

TTT 2009: Top Ten Tweets

Da ich nicht genügend Material für ein My year in 12 cut-and-paste sentences habe, wiederhole ich die Tradition vom letzten Jahr und präsentiere die 10 Tweets, die mich rückblickend am meisten amüsiert haben. Letztes Jahr warens noch 5, da seht ihr mal wie viel mehr Zeit ich mit Twittern verbringe.

Here goes nothing:
1) @gruber: Theory: the people who send out “RT” tweets are the same fuckers who came in and ruined Usenet a decade ago.
2) @fuckyoupenguin: Does constantly being asked “what are you doing?” stress anyone else out? What is twitter doing that’s so fucking great?
3) @bogusky: Our Swedish office will make us much stronger. This morning we toasted with Akvavit and it almost killed everyone in Miami and Boulder.
4) @siracusa: Predictably, the worst part of being locked out of Twitter was that I had nowhere to complain about it.
5) @yellowled: „Bitte hinterlassen Sie diesen Raum, wie Sie ihn vorfinden möchten.” Ich räum doch da nicht auf! #bahn #wc
6) @imkristenbell: people are idiots. god forbid a movie focus on story. god forbid there is dialogue. i politely recommended they go see transformers again.
7) @shitmydadsays: “That woman was sexy…Out of your league? Son. Let women figure out why they won’t screw you, don’t do it for them.”
8) @bynkii: “I’m still going to have to find a volunteer vagina sometime, though.” Thus perfectly describing the life mission of the straight human male
9) @angry_drunk: Microsoft partners with Family Guy. You keep staying hip and relevant you crazy fools you.
10) @snipeyhead: There are lots of women on the internet, only most of them are naked and in JPG-format.

Knapp an den Top 10 vorbei schoß Eliza Coupe, die sich alle Mühe gibt ihrer Scrubs Rolle auch auf Twitter gerecht zu werden und kürzlich diese Perle von sich gab:
Guy at airport starbucks: U got the trifectecta; legs tits face. Me: thank u very much, would u like a BJ now or when we board the plane?

(Und Phil Jupitus gebührt der Preis für das Twitpic des Jahres)

In diesem Sinne, bis nächstes Jahr.

Verfasst von: André | 20. Dezember 2009

Meine Top Tracks für 2009

Verfasst von: André | 16. Dezember 2009

Wenn man keine Ahnung hat

Dass im Internet jeder Idiot seine Meinung frei kundtun darf ist nichts neues, sonst gäbs ja schließlich diese Seite hier auch nicht. Aber was gerade im Zusammenhang mit der neu eingeführten Paywall des Abendblatts abgeht ist echt unglaublich. Jedes Knüppelkind südlich des Nordpols beschwert sich darüber das ein Unternehmen (Axel Springer) für ein von ihm erstelltes Gut (Abendblatt.de) eine Gegenleistung (Geld) von den Kunden erwartet… DAS NENNT MAN FREIE MARKTWIRTSCHAFT IHR DEPPEN!
Wenn ihr meint das Abendblatt Angebot ist euer Geld nicht wert, super, geht zu mopo.de oder wohin auch immer. Wie wärs hiermit?

Und dann wären da noch die ganzen Häcker (z.B. hier), die meinen sie wären besonders clever und hätten einen supergeheimen Weg gefunden die Paywall zu umgehen: Einfach die Überschrift oder die URL des Artikels bei Google eingeben und schon ist man hinter der Paywall. Tada! Wie kann man beim Abendblatt oder Springer nur so doof sein…?
Die Realität ist leider eine andere als die Wahrnehmung des debilen Internet-Pöbels, denn dieser supergeheime Weg eine Paywall zu umgehen ist Teil eines Abkommens zwischen Google und den Verlagshäusern dieser Welt (und funktioniert z.B. auch bei wsj.com). Dieses Abkommen ist so geheim, dass Google auf dem Google News Blog offen darüber spricht.

Aber Blogs sind ja die Zukunft, da sie schneller, besser und unvoreingenommener berichten als die etablierten Medien…

Verfasst von: André | 30. November 2009

We’re the middle children of history

I see in Fight Club the smartest and strongest men who’ve ever lived. I see all this potential, and I see it squandered. God damnit, an entire generation pumping gas, waiting tables, slaves with white collars. Advertising has us chasing cars and clothes, working jobs we hate so we can buy shit we don’t need. We’re the middle children of history, man. With no purpose or place. We have no Great War, no Great Depression. Our Great War is a spiritual war, our Great Depression is our lives. We’ve all been raised on television to believe that one day we’d all be millionaires and movie gods and rock stars – but we won’t. We’re slowly learning that fact. And we’re very, very pissed off.

- Tyler Durden

Verfasst von: André | 29. Oktober 2009

Fight Club Experience

Verfasst von: André | 5. Oktober 2009

Das interessiert mich nicht

Eine meiner aktuellen Lieblingsphrasen ist ja “Das interessiert mich nicht. Das interessiert mich wirklich nicht”, seit einer meiner Arbeitskollegen einen anderen Kollegen vor Monaten mit dieser Bemerkung davon abhielt uns von seinem Museumsbesuch zu erzählen.
Nun muss ich aber schwer geschockt feststellen, dass eben dieser reine Weltspruch von einem meiner persönlichen Lieblinge stammt – Torsten Frings. Naja, blindes Huhn, Korn, ihr wisst schon.

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