Über das Spiel in Dortmund hüllen wir mal dezent den Mantel des Schweigens, kam es doch wie es kommen musste. Die Konkurrenten legen vor, in und um Hamburg redet alles nur von Rudi Nieselstreu und prompt legen wir die schlechteste erste Hälfte seit Ewigkeiten hin. Jeder, aber wirklich jeder Ball landete bei einem Dortmunder, der sich dann in aller Ruhe aussuchen konnte wohin er den Ball spielt. Angegriffen wurde er nicht, und es war ja jetzt auch nicht so als wären seine Mitspieler gedeckt… Einzige Ausnahme: Unser venezuleanischer Killer mit der 25. Schade nur, dass ausgerechnet er beim Gegentor pennt und Valdez mutterseelenallein lässt. Meh.
Egal, Schwamm drüber. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Auch ich sprech viel lieber über Rudi (zumindest lieber als über das Spiel heute abend). Was mir an diesem Transfer besonders auffiel, ist, dass mal wieder der “Word of Mouth” Effekt dem HSV in die Karten gespielt hat. Wovon jeder Werbetreibende träumt, dass Kunden/User die eigene Marke empfehlen funktioniert beim HSV mit der “Orange Connection” seit Jahren einwandfrei:
Die ersten die kamen (zumindest in der “Neuzeit”) waren Khalid Boulahrouz und Rafael van der Vaart. Als Boulah ging wurde Joris Mathijsen als sein Nachfolger auserkoren, der sich dann bei den beiden Erstgenannten über den HSV erkundigte. Beide empfahlen ihm einen Wechsel nach Hamburg. Es folgte Nigel de Jong, der van der Vaart noch aus gemeinsamen Zeiten bei Ajax und die anderen aus der Elftal kannte. Dann kam noch ein holländischer Trainer dazu und mit Romeo Castelen der nächste Spieler, der keine so engen Bande zu den anderen HSV-Holländern hatte, zumindest nicht vor seinem Wechsel hierher. Was er aber hatte, war Vorbildstatus für einen gewissen Eljero Elia. Und als der HSV an jenem Elia Interesse zeigte, erkundigte er sich bei seinem Idol, ob auch für ihn Hamburg die richtige Wahl wäre. Castelen bejahte und auch Elia kam an die Elbe. Jetzt das Meisterstück von Bernd “The Hoff” Hoffmann und Bruno Labbadiabär: Ruud van Nistelrooy wechselt von Real Madrid zum HSV. Klar, 2 Mio Gehalt für 4-5 Monate für einen zuletzt doch sehr verletzungsanfälligen Spieler sind ne Menge Holz, aber alleine durch seine Anwesenheit machen sich 3/4 aller Gegner die Hosen nass und selbst wenn er nur noch 75% von dem drauf hat was er zu Bestzeiten drauf hatte, reicht das locker für 10 Tore in der Bundesliga, selbst wenn man ihm ein Bein auf den Rücken bindet.
Und machen wir uns nichts vor, wenn ich die Wahl habe zwischen *dem* Topstürmer des letzten Jahrzehnts und einem blauzöpfigen Brasilianer mit beklopptem Namen und eigenem Amateurporno im Internet habe, dann nehme ich doch lieber den Topstürmer. Nach den “offiziellen” Zahlen ist Rudi sogar billiger als Vagner Love, denn der sollte zusätzlich zu den 2 Mio. Gehalt noch 800k Leihgebühr kosten. Also, alles richtig gemacht.
Aber zurück zum Thema, der HSV und der virale Effekt. Dass Rafael van der Vaart und Joris Mathijsen Rudi den Wechsel nach Hamburg empfahlen wurde ja schon breit genug getreten, aber im Interview auf hsv.de findet sich folgende Aussage von unserer neuen #22:
Rafael, Joris, aber auch Nigel de Jong und Khalid Boulahrouz haben wirklich in den höchsten Tönen vom Verein und der Stadt gesprochen. So einen Verein wie den HSV mit so unglaublich viel Tradition gibt es eben nicht oft. Alle haben mir dazu geraten, nach Hamburg zu gehen.
Da hätten wir es. Der HSV hat einen steten Zulauf von hochklassigen holländischen Fußballern, die hier gute Erfahrungen machen und deswegen den Verein weiteren hoffnungsvollen Talenten, oder wie im Fall Nistelrooy, arrivierten Leistungsträgern empfehlen, die (u.a.) deswegen dann auch zum HSV kommen, hier auch wieder gute Erfahrungen machen usw….
Zu Dollis Zeiten hab ich schon gesagt, dass er eigentlich nicht nur zum Treffen der Bundesliga-Trainer mit Jürgen Klinsmann (damals Bundestrainer), sondern auch zum Treffen der Eredivisie-Trainer mit Marco van Basten reisen müsste. Eigentlich sogar eher dahin, schließlich hatten wir damals 2-3 holländische Nationalspieler, mit Trochowski aber nur einen halben deutschen. Für Brunobär passt diese Aussage nicht mehr ganz, immerhin wird der deutsche Südafrika-Trupp aller Voraussicht nach 2-4 Hamburger enthalten, aber wir werden auch min. 2 Spieler für die Elftal abstellen, Rudi könnte der dritte werden.
Und wer sich den Kader der Elftal anguckt wird feststellen, dass eigentlich alle Spieler mit Hamburger Vergangenheit oder Gegenwart immer dabei sind. Selbst ein Khalid Boulahrouz, der in Stuttgart leider überhaupt keinen Fuß auf die Erde kriegt. Wer als Holländer für sein Land spielen will kann mit einem Wechsel nach Hamburg scheinbar nichts verkehrt machen; auch diese “Tatsache” schadet sicher nicht wenn der HSV in Verhandlungen mit dem nächsten Elia, oder wem auch immer ist.
In diesem Sinne: Auf eine erfolgreiche, orangene Zukunft. Hup Hup!
